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09 Arbeit vs. Leistung

Warum Arbeit nicht gleich Leistung ist!

 

Ich war heute beim Radio hören echt wieder einmal verwundert über die Arbeitsauffassung, die scheinbar 70% der Österreicher teilen. Zumindest 70% der Radiohörer. Es gibt im Hitradio Ö3 eine Sendung, die nennt sich "Frag das ganze Land". Dort kann man ein akutes Problem von Zuhörern diskutieren lassen und Meinungen zu diesem Problem einholen. Heute gab es in dieser Sendung einen Herren, der sich darüber beschwert hat, dass sein Chef eine neue Mitarbeiterin einstellt, die lt. Lebenslauf und Einschätzung des Mitarbeiters weniger Berufserfahrung und Qualifikation aufweist als er selbst und trotzdem 200€ mehr Gehalt bekommt. Nach einem nicht erfolgreichen Gespräch über eine Gehaltserhöhung mit seinem Chef hat er sich mit diesem Problem ans Radio gewandt, um herauszufinden was Österreich davon hält. Und es sind tatsächlich 70% der Zuhörer der Meinung, dass seine Empörung gerechtfertigt sei. Ich sehe das allerdings komplett anders.

 

1. Qualifikation

 

Meiner Meinung nach hat jeder Mitarbeiter individuelle Stärken und Schwächen. Und nur weil beide dieselbe Ausbildung haben, heißt das nicht, dass beide das gleiche Talent und die gleiche Disziplin mitbringen. Ich habe schon Kollegen erlebt, die ihr Studium mit Bestnoten absolviert hatten, auch in technischen Studiengängen, dies aber im Berufsleben nicht umsetzten konnten. Die beste Theorie bringt nichts, wenn sie in der Praxis nicht angewandt werden kann.

 

2. Berufserfahrung

 

Wie definiert man Berufserfahrung? Heißt Berufserfahrung man war anwesend? Oder ist damit gemeint der Mitarbeiter hat in dieser Zeit seine in diesem Beruf speziell benötigten Fähigkeiten erweitert und verfeinert? Ich kenne genug Mitarbeiter, die im Unternehmen lediglich Zeit absitzen und sich in keiner Art und Weise weiterbilden, geschweige denn positiv einbringen. Im schlimmsten Fall blockieren diese auch noch motiviertere Kollegen aus Angst, dass ihre eigene Untätigkeit auffallen könnte. Gestützt wird dies häufig von Führungskräften, die dieses Problem nicht angehen wollen und lieber wegsehen. Natürlich gibt es auch jene Mitarbeiter, die sich weiterbilden und dem Unternehmen wirklich nutzen, allerdings bin ich mir sicher, dass dieser Typ Mitarbeiter in oben geschilderter Situation nicht fragen würde "Warum bekommt die neue Mitarbeiterin 200€ mehr?" sondern "Wie kann ich meine eigene Leistung verbessern oder sichtbarer machen, um meinem Chef gegnüber argumentieren zu können, dass auch ich mehr Gehalt verdient habe?". Neid auf andere bringt einen nie weiter. Es ist viel sinnvoller seine eigene Leistung im Blick zu haben und kontinuierlich an sich und der eigenen Entwicklung zu arbeiten.

 

3. Arbeit vs Leistung

 

Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass Arbeit nicht mit Leistung gleich zu setzen ist. Arbeit heißt lediglich, dass etwas erledigt wurde. Also steckt darin kein Faktor, der misst wie es erledigt wurde. Wurde es effizient und richtig erledigt? Leistung hingegen ist Arbeit pro Zeit. Und somit auch messbar. Natürlich ist in diesem Zusammenhang dann vorausgesetzt, dass sie ausreichend und richtig ist. Meiner Meinung nach können Mitarbeiter nicht an der Zeit gemessen werden, die sie im Unternehmen absitzen sondern an der Leistung, die sie in dieser Zeit erbringen.

 

4. Gesamtpaket

 

Letztendlich würde ich aber sagen, das Gesamtpaket entscheidet. Berufserfahrung, Qualifikation und Persönlichkeit. Die neue Mitarbeiterin dürfte sich einfach besser verkauft haben als der Mitarbeiter, der sich jetzt benachteiligt fühlt und glaubt dies dadurch rechtfertigen zu können, dass die neue Mitarbeiterin seiner Meinung nach das Gehalt nicht verdient hat. Und es wäre sicher angebrachter an dieser Stelle über die eigene Leistung zu reflektieren als seine eigene Unzufriedenheit auf die neue Kollegin zu projizieren noch bevor sie überhaupt da ist.

 

Außerdem will ich an dieser Stelle auch einmal darauf hinweisen, dass es in vielen Unternehmen noch immer Gang und Gäbe ist, Frauen für gleiche oder sogar bessere Leistung schlechter zu bezahlen als Männern. Und gegen dieses System kämpfen Frauen seit Jahren ohne wirklich nennenswerte Erfolge. Umso mehr verwundert es mich, dass in einer Situation, die aus Mitarbeitersicht umgekehrt dargestellt wird, auf einmal 70% der Zuhörer ohne wirkliche Hintergrundinformationen der Meinung sind, dass sich der Mitarbeiter zu Recht benachteiligt fühlt. Ehre wem Ehre gebührt! Meiner Meinung nach ist es absolut gerechtfertigt, Mitarbeiter individuell und leistungsbezogen zu entlohnen.

 

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