16 Der Prinz auf dem weißen Pferd

Ein Gespräch unter Freundinnen...

In letzter Zeit wurde mit meinen Freundinnen vermehrt darüber diskutiert, wie sich Männer in Datingphasen zu verhalten haben um als richtige Männer wahr genommen zu werden. Dabei hat sich folgendes Bild herauskristallisiert. Meine Freundinnen sind der Meinung, dass es ganz klar die Aufgabe des Mannes ist, sein Interesse an einer Beziehung zu bekunden. Dabei ist es noch ziemlich nebensächlich ob ihm dauernd die kalte Schulter gezeigt wird, oder ob er dazu ermutigt wird. Er ist ja schließlich ein Mann. Und sollte dies hin bekommen. Dabei ist es aber auch unmännlich, wenn er sich als zu schwach dar stellt. Noch dazu sollte er natürlich auch ganz genau wissen wann er sich zu oft und wann zu wenig meldet. Vorschläge für Dates sollten originell sein und Nachrichten genau im Richtigen Mix machomässig oder emotional. Ich glaube, damit habe ich die Hauptpunkte erschlagen. Vielleicht kann man an der Formulierung dieser Punkte schon heraus lesen, dass ich diese Erwartungshaltung nicht besonders hilfreich finde. Zumindest dann nicht, wenn man wirklich an seinem Gegenüber interessiert ist und diese Datingphase nicht schon mit Spielchen beginnen will. 

 

Grundsätzlich habe ich ja mehr Freunde als Freundinnen. Dies hat auch zur Folge, dass ich viel Zeit mit Männern verbringe und mir auch immer wieder deren Probleme zu diesem Thema. Somit weiß ich auch, dass diese gerade dann, wenn sie wirklich an einer Frau interessiert sind auch echt ungeschickte Aktionen liefern können. Mich bringen diese Geschichten dann immer herzhaft zum Lachen. Dieses Verhalten geschieht in diesen Momenten aber selten aus Absicht, sondern meist einfach aus Überforderung mit der Situation. Die oben geschilderte Erwartungshaltung mag ich auch deshalb nicht, weil dabei der Mensch immer nur verlieren kann. Dabei wird komplett ausser Acht gelassen, dass auch der andere eine Geschichte hat in der er sicher auch einige weniger gute Erfahrungen gemacht hat und die dazu geführt hat, dass man sich eine Strategie zurecht gelegt hat um die Wiederholung einer solchen Erfahrung zu vermeiden. Das passiert oft nicht mal bewusst. Viele dieser Programmierungen laufen im Unterbewusstsein. 

 

Deswegen ist es meiner Meinung nach schon so, dass man gerade in dieser Anfangsphase versuchen sollte zu verstehen mit welchen Menschen man es zu tun hat, wie dieser tickt, was dieser erlebt hat und vielleicht auch nicht wieder erleben will. Und das ohne dass immer aufgerechnet wird wer sich bei wem wie oft meldet und wer für wen gerade mehr tut. Vor allem ist es auch wenig hilfreich, wenn man immer erwartet, dass sich der andere als Erster öffnen muss. Es gibt Menschen die können das sofort und es gibt welche die brauchen einfach Zeit. Aber wer öffnet sich schon gerne jemanden, der Gefühle immer nur im Austausch für Gefühle von seinem Gegenüber preis geben will? Ich glaube niemand. Und schon erst Recht nicht, wenn man immer das Gefühl hat, dass Mann auf gutes Verhalten trainiert wird. Dies war auch so ein Thema in diesen Diskussionen. Verhält Mann sich erwartungsgemäß ist man nett, verhält er sich anders, dann wir dies mit kommentarlosen nicht melden etc. quittiert. Dabei weiß man in diesem Moment überhaupt nicht warum sich der andere so verhält. Und ob der andere versteht warum Frau sich gerade so verhält wage ich auch zu bezweifeln. Vielleicht verhält er sich in diesen Momenten auch so, weil er eigene wunde Punkte hat, die an dieser Stelle immer wieder getroffen werden und vielleicht kommt er auch selber nicht immer mit seiner Gefühlswelt klar. 

 

Ein weiteres Argument in diesen Diskussionen, das ich nicht mehr hören kann war das Argument Selbstliebe. Würde sich eine Frau wirklich selbst lieben, dann würde sie keine Zeit mit einem Mann verbringen, der sich nicht ab der ersten Minute klar für sie entscheiden kann. Das heißt, wenn ein Mann aus welchen Gründen auch immer am Anfang eher etwas schwierig ist, dann beendet Frau das am Besten sofort wieder, weil sie sich ja selbst liebt. Für mich ist das ein sehr oberflächliches Argument. Menschen agieren sehr selten aus Böswilligkeit so wie sie agieren. Und wenn der anderen anstrengend ist, weil er vielleicht auch Angst davor hat wieder verletzt zu werden, wenn er sich zu tief auf Dinge einlässt, dann ist es für mich eher nahe liegend, dass man versucht diese Angst zu verstehen und liebevoll damit umzugehen. Und so vielleicht auch einen Teil dieser Angst heilt. Zumindest wäre dies meiner Meinung nach der tiefst menschliche Ansatz. Wenn wir in Beziehungen miteinander schon nicht mehr die Geduld und Liebe aufbringen können um dem Gegenüber bei der Heilung dieser Punkte zu helfen, wann dann.

 

Ich habe diese Woche für mich auf jeden Fall beschlossen, dass es am einfachsten ist in so einer Situation einfach auf mein Gefühl zu hören. Und dass es Ding einfacher macht, wenn man sein Gegenüber einen Einblick in seine Gefühlswelt ermöglicht. Auch in Momenten in dem dieser vielleicht gerade anstrengend ist (und stur ;-) ). Und natürlich erfordert dies Mut, weil man die Reaktion darauf nicht immer abschätzen kann und vielleicht auch manchmal Antworten bekommt, die einem nicht gefallen. Vielleicht aber auch nicht...Und viel schlimmer wäre es,ich hätte es nicht versucht! 

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